Winter

Es soll Leute geben, die lieben den Winter. Sie nennen den mit Schadstoffen kontaminierten Schnee auf den Bäumen Zuckerwatte und fühlen sich durch das Geglitzer seiner Eiskristalle in ein Märchenland versetzt. Sie lieben Schneegestöber, weil es sie an eine gewisse Frau Holle erinnert, deren Alleinstellungsmerkmal darin besteht, ihre Daunendecken auf eine besonders wilde Weise auszuschütteln. Am Ende sind die Decken leer und alle, die unter ihnen schlafen wollen, haben das Nachsehen. Es soll sogar Leute geben, die laufen voller Begeisterung bei Minusgraden Ski. Im Schneckentempo rutschen sie dann seitlich schräg über eisige Pisten, das Gesicht unter Schal und Mütze vor dem eisigen Wind verborgen. Beim Après Ski lassen sie sich anschließend mit Glühwein volllaufen, bis ihnen der Schädel brummt. 

Was nehmen sie nicht alles auf sich. Keine Anstrengung scheint ihnen zu groß zu sein! Vielleicht hatten sie als Kind auch nur Niemanden zum Spielen. Oder sie durften nur unter Aufsicht auf den Spielplatz. Oder sie mussten schon mit vier Jahren Englisch und Japanisch lernen. Vielleicht wollte man sie auch zu einem Piano spielenden Wunderkind dressieren oder jemand hat versucht, aus ihnen einen zweiten Franz Beckenbauer machen. Jetzt also suchen sie in Minusgraden ihr Heil und in glitzernden Eiskristallen ihr Paradies. Das allerdings dürfte schon bei den nächsten Temperaturen im Plusbereich wieder verschwunden sein. 

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