Treffer versenkt

Heute morgen beim Frühstück trug Karfiol, der normalerweise dunkle Farben liebt, ein leuchtend rotes T-Shirt. Karo war wieder mal auf Reisen und wir aßen unser Müsli zu dritt.„Rot wie die Liebe.“ Ich warf meinem Sohn einen verständnisvollen Blick zu, worauf er fast so rot wurde wie sein Shirt. „Treffer versenkt.“ Ich musste grinsen.

Laraina, die gerade geräuschvoll ihren Kakao schlürfte, sah mich vorwurfsvoll an. „Drück dich nicht so martialisch aus, Mama.“ „Trink lieber nicht so laut.“Treffer werden in vielen Games versenkt“, sagte Karfiol gelangweilt. „Mama ist aber keine Gamerin.“ Laraina schob trotzig ihre Unterlippe vor. „Mütter sollten die gleichen Rechte haben wie Gamer, finde ich.“ Mit betont gleichgültigem Gesicht schenkte ich mir meine mittlerweile dritte Tasse Kaffe ein, während Karfiol sich einen großen Löffel Cornflakes in den Mund schob.

„Wie heißt sie denn nun“, fragte ich ihn. Da Karfiol den Mund voll hatte, schaute er mich nur fragend an. Dann senkte er den Kopf und deutete schweigend auf die Aufschrift auf seinem T-Shirt. „SHIT“, stand dort in schwarzen handtellergroßen Buchstaben . „Schon wieder vorbei?“ Mechanisch hob und senkte er den Kopf, als er wäre er einer dieser KI-gesteuerten Roboter aus einem seiner Games.

„Hätte mich auch gewundert!“ Laraina hatte beide Hände in ihr Kinn gestützt und warf ihrem Bruder einen mitleidigen Blick zu. Sie trug heute Zöpfe und sah aus wie zwölf, höchstens. „Lisa ist nämlich ein echter Gamechanger.“ „Sie ist nichts weitere als eine blöde Instatusse.“ Karfiol starrte auf seine Müslischale. „Ihr Channel hat fast 10.000 Follower“, stellte Laraina klar, „dir folgen auf Youtube nur 97.“ „Ich liefere ja auch seriösen Content, keinen Kosmetikbla.“ „Lisa bietet nur nachhaltige Produkte an, die ohne Tierversuche hergestellt werden.“ „Wenn du das sagst.“ Er trommelte nervös mit seinen Fingern auf der Tischplatte.

„Ich werd mir deine Lisa später auf Instagram an“, informierte ich sie. „Sie ist nicht meine Lisa!“, sagte er böse. „Immerhin hat sie erreicht, dass du heute eine andere Farbe trägst als Schwarz.“ Entspannt lehnte ich mich auf meinem Stuhl zurück. Karfiol war wieder rot gewordent. „Treffer versenkt“, dachte ich. Das Grinsen verkniff ich mir .

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