Scheihnachten, Teil I

Laraina und Karfiol zuliebe habe ich dieses Jahr vegane Zimtsterne gebacken. Karo probierte auch einen. „Die Kekse schmecken nach Datteln.“ Er verzog sein Gesicht. „Gut erkannt.“ In meiner  rechten Hand hielt ich einen Flakon mit dunkelblauen Nagellack und versuchte ihn mit der linkenzu öffnen. Der Verschluss klebte fest. Ich begann in meinem Necessaire nach Nagellackentferner zu suchen.

„Hast du den Christbaumschmuck schon aus dem Keller geholt?“, fragte Karo. „Wir haben ja noch nicht mal einen Baum.“ „Du weißt aber schon, dass morgen Heiligabend ist?“ „Einen Baum zu kaufen ist eigentlich deine Aufgabe.“ „Ist dir nicht aufgefallen, dass ich bis gestern Abend auf Reisen war?“„Warst du wieder in Berlin?“ „Nein London“, er klang überrascht, „das hab ich dir doch erzählt.“ „Eben.“ Der Flakon ging auch mit Nagellackentferner nicht auf. Meine Nägel sahen stumpf und ungepflegt aus. Ich hasse das.

„Wie kommst du bloß auf Berlin?“ Karo sah mich direkt an, was nicht oft vorkam. „Berlin ist cool, oder?“ Ich erwiderte seinen Blick, woraufhin Karo hektisch aufstand. „Ich werd dann mal den Baum kaufen. Einer muss es ja machen.“ Karo zog sich seine ausgewaschene, grüne Barbourjacke über, die er schon getragen hatte, als ich ihn kennenlernte.

Mit der ganzen mir zur Verfügung stehenden Kraft drehte ich noch einmal an dem Schraubverschluss des Flakons. Diesmal klappte es. „Ich bin dann mal weg.“ Karo nahm den Schlüsselbund vom Tisch und steckte ihn in seine Jackentasche.  „Bring bitte auch Kerzen mit?“, erinnerte ich ihn, “ wir haben nicht mehr genügend.“ „Keine echten Kerzen auf dem Weihnachtsbaum“, sagte er entschieden. „Findest du lichtemittierende Halbleiterelemente passender?“ „Sicherer“, korrigierte er mich. „Ich hasse das Licht von LEDs“, quengelte ich, „ich werde Migräne bekommen und die Feiertage über schlechte Laune haben.“

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