Post aus Berlin


Heute habe ich Post von Dani aus Berlin bekommen. Richtige Post mit einer Briefmarke. Das haben wir so vereinbart, schließlich ist Karfiol ziemlich gut im Hacken und Laraina nimmt auch schon Unterricht bei ihm. Doch die Informationen, die Dani und ich austauschen, gehen nur uns etwas an, zumindest bis ich weiß, ob ich richtig liege. 

Danis Briefumschlag enthielt nur einen Stick mit einem Sprachmemo und einer Serie von Fotos. Sie zeigten alle das gleiche Motiv: Ein Mann, der in ein Auto steigt. Im Hintergrund erkannte ich das Logo der ISIS GmbH. Den Wagen kannte ich nicht. Ein dunkelgrauer Audi mit Berliner Nummer. Den Rücken des Mannes glaubte ich zu kennen. Den Mantel, den er trug allerdings nicht. Ein grauer Wollmantel mit feinen Nadelstreifen. Nein, das ist nicht Karos Stil. 

„Zufälle gibts“, hörte ich Danis Stimme sagen, „als ich heute meine Unterlagen vorbeigebracht habe, sie wollen mich vielleicht fest einstellen, kam gerade ein Mann herunter. „Das ist Jürgen Maibronner“, flüsterte Greta von der Zentrale. Ich konnte ihm natürlich nicht direkt ins Gesicht fotografieren. Also bin ich hinterher und hab ihm mit meinem Handy gerade noch erwischt. Leider nur von hinten.“

Ich schickte Dani einen Link von Karos Unternehmenswebsite, auf der ein Foto von ihm ist. Die Antwort kam einen Tag später. „Vielleicht“, schrieb sie vage. „es ist ein Allerweltsgesicht. Aber möglich ist es.“ 

Eigentlich will ich es auch nicht wissen.
Wo Karo doch neuerdings wieder bei mir im Bett schläft.
Es muss ein Doppelgänger sein.
Allerweltsgesicht eben.

Wo war Karo eigentlich vor drei Tagen?
Ich kann mich nicht erinnern.
Ich will mich nicht erinnern.
Bin ich sein Kindermädchen oder was?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.