Mein Vater

 

Mein Vater ist bereits vor vielen Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Er war ein stiller, bescheidener Mann, der Seemannslieder hörte und gerne im Garten arbeitete. Außerdem liebte er Hunde und die Gartenzwergsammlung im Vorgarten unseres Hauses. Jeder Zwerg sah ein wenig anders aus. Einer fuhr eine Schubkarre vor sich her, der zweite schulterte einen Sack, ein dritter hielt eine Laterne, der vierte einen Spaten in der Hand, usw.. Sie hatten sympathische, freundliche Altmännergesichter, doch meine Mutter konnte sie nicht leiden. Sie verabscheute ihre dicken Bäuche, die knolligen Nasen, die ungepflegten Bärte. Nach und nach verschwanden sie dann auch. Anfangs fehlte nur ein Stück einer Nase, dann war eines Tages die Schubkarre verschwunden, bei einigen Zipfelmützen brach das Ende ab und schließlich verschwand einer der Zwerge samt Laterne völlig. Eines Morgens war dann der Vorgarten gänzlich zwergenlos. So geschah es auch mit anderen Dingen, die mein Vater mochte. Seine Freddie Quinn Platten landeten auf dem Flohmarkt und als er sich einen weißen Spitz als Haustier zulegte, tauschte meine Mutter ihn gegen einen Dalmatiner um, den mein Vater „Pumpkin“ taufte. Er brachte ihm viel bei. Schon bald konnte Pumpkin auf Kommando einen seitlichen Purzelbaum schlagen, den Flohwalzer fast perfekt jaulen oder kleine Bälle auf der Schnauze balancieren. Kurz nachdem Pumpkin von einem Auto überfahren wurde, brach bei meinem Vater der Krebs aus und er starb  wenig später.

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