Mein Sohn der Käsekohl

Mein Sohn war bei der Geburt unglaublich hässlich. Schrumpelige Haut, hervorquellende Augen und Vollglatze. Weil er mich an einen Käsekohl erinnerte, nannte ich ihn „Karfiol“. So steht es in seinem Pass. Karo nennt ihn Peter, wie Peter Pan, doch das steht nicht in seinem Pass. Mittlerweile ist Karfiol siebzehneinhalb und wiegt mindestens 80 Kilo, was man nicht sieht, da er weite Hoodies und dunkle Hosen trägt. Meistens sitzt er am Computer und möchte Hacker werden.

„Hacker sind gefragt“, erklärte ich Karo heute morgen beim Frühstück. „Konzerne stellen sie ein, um Sicherheitslücken in ihrem Netzwerk zu finden.“ „Das sind keine Hacker sondern hochbezahlte Verräter“, widersprach Karfiol, der gerade hereinkam. Hinter ihm torkelte Schlafgut, unsere stets übermüdete Bulldogge. „Lieber werde ich Whistleblower.“ Karo sah ihn streng an. „Auch nicht schlecht“, überlegte ich. „Dein Firmennetzwerk habe ich übrigens auch schon gehackt“, sagte mein Sohn zu seinem Vater. „Ist nichts los bei euch. Wenig Anfragen, wenig Umsatz. Wovon leben wir überhaupt?“ „Du bist eben doch nicht so genial, wie du dachtest“, sagte mein Mann freundlich, „unsere Firewall ist nämlich bombensicher.“ „Trotzdem war ich drin“, beharrte mein Sohn. Ich legte eine Hand auf Karos Arm. „Karfiol hat ein Sicherheitsleck entdeckt“, lobte ich ihn. „Für 3000 Euro zeig ichs dir“, grinste er. Karos Miene war ausdruckslos, beinahe gelangweilt. „Ich muss los.“ Er blickte auf seine Armbanduhr. „Das Meeting beginnt in zwanzig Minuten.“ Er stand auf, küsste mich hastig auf die Wange und verließ den Raum. „Immer in Eile“, sagte ich zu Karfiol. Doch auch er war bereits aufgestanden und hatte den Raum durch die Terrassentür verlassen.

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