Kopfstände und Kronen

Laraina hatte mal wieder Lust ins Yoga zu gehen. Allein gehen wollte sie nicht und Sybil, ihre Freundin, hatte angeblich Mumps. Also musste ich mit.

Laraina hatte uns beide für einen „Vinyasa-Flow auf mittlerem Niveau“ angemeldet,der sich jedoch als Turbogymnastik mit Mantrasingen entpuppte. Angeheizt ..äh .. angeleitet von Jean-Paul, dem nach Meinung von Laraina „so besonders süßen Yoga-Lehrer“. „Ich hasse Liegestütze“, keuchte ich nach meinem zehnten Chaturanga. „Du hast sicher schon zwei Kilo verloren“, ermunterte meine Tochter mich. „Willst du damit sagen, dass nur dünne Frauen erleuchtet werden können?“ Laraina antwortete nicht, denn Jean-Paul hatte uns gerade einen missbilligenden Blick zugeworfen. Gespräche sind im Yogahimmel nicht erwünscht.

Später sollten wir einen Kopfstand machen. „Geht nicht“, sagte ich zu Jean-Paul, der gerade an meiner Matte vorbeilief. „Probleme mit der Halswirbelsäule?“, fragte er.  Ich schüttelte den Kopf. „Es liegt an meiner Krone.“ Ich deutete oben auf meinen Kopf. „Sie zerbeult, wenn man sich auf sie daraufstellt.“ „Ich hol dir gern einen Feet-up“, erwiderte er. Damit meinte er ein Hocker ähnliches Gestell, in das man sich kopfüber einhängt wie eine Fledermaus. „Fällt meine Krone dann nicht runter?“ Ich sah ihn besorgt an. „Warum?“ Er schien verwirrt, denn sie fiel natürlich doch zu Boden. Ein paarmal hüpfte sie scheppernd auf und ab und blieb dann ruhig auf meiner Matte liegen.

Als ich nach der Stunde an einer Statue von Shiva im Vorraum des Studios vorbeiging, streichelte ich ihn über einen seiner vielen Arme. Zu meiner Überraschung zwinkerte er mir zu. Ich bin sicher, dass zumindest er mich verstanden hat. Götter sind eben doch die besseren Yogalehrer.


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