Jack Wolfskin II

Heute habe ich Karo zufällig in der Sportabteilung eines Kaufhaus gesehen. Er hatte eine Jacke über seinem rechten Arm hängen. Khakifarbener Stretch-Fleece. Das optimale Kleidungsstück für Rentnerinnen in Spe, die im Gebirge nicht auffallen möchten. Dann entdeckte ich die Pfote auf dem Logo zusammen mit dem Schriftzug: Jack Wolfskin. Ich dachte sofort an die unbekannte Frau auf dem Foto aus dem Gorchi-Tereldsch-Nationalpark und folgte Karo in einiger Entfernung. Er ging zur Kasse, zahlte und ließ sich die Jacke in eine cremefarbene Papiertüte packen. 

Auf der Straße lief ich ihm wie zufällig entgegen. „Warst du einkaufen?“ Ich öffnete die Tüte einen Spalt und schaute hinein. „Ein Geschenk“, murmelte er. „Für wen?“ Er räusperte sich kurz. „Na für dich.“ „Karo, das ist Jack Wolfskin.“ Ich schaute so entsetzt, wie es mir möglich war. „Dann freut sich eben jemand anders drüber.“ Er zog seinen Autoschlüssel der Jackentasche und öffnete seinen BMW. „Kommt nicht in Frage.“ Ich entriss ihm die Tüte und setzte mich neben ihn auf den Beifahrersitz. „Die Jacke steht dir sicher hervorragend“, merkte er an. Ich holte das Teil aus der Tüte und breitete es auf meinen Schoß aus. Dann setzte meine Brille auf, um die Größe auf dem Label erkennen zu können. „Karo, sie ist zwei Nummern zu klein.“ Ich tat mein Bestes, um möglichst enttäuscht zu wirken. Er seufzte. „Dann tausch sie halt um.“ „Wieso kennst du eigentlich meine Größe nicht?“ Ich versuchte ihm direkt ins Gesicht zu sehen, doch er wandte den Kopf ab. „Wenn man dir einmal eine Freude machen will.“ Dann drückte er aufs Gaspedal und fuhr mit 80 Sachen gerade noch über Gelb.

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