Jack Wolfskin


Seit zehn Tagen redet Karo nicht mit mir, und er ist nicht einmal verreist. Nachts schläft er in seinem Homeoffice, auf der Couch. Hier nimmt er auch sein Frühstück ein, an seinem Schreibtisch. Wo er zu Abend isst, weiß ich nicht. Karfiol hat ihn angeblich bei Mc Donalds gesehen, dabei hasst Karo doch Burger. Sagt er jedenfalls. Aber vielleicht stimmt das nicht. Genauso wenig wie andere Dinge, die er erzählt.

Malika, eine meiner Instagram Bekannten, hat nämlich neulich ein Foto von ihrer letzten Mongolei-Tour durch den Gorchi-Tereldsch-Nationalpark gepostet. Ein Mann aus ihrer Gruppe sah dabei genauso aus wie Karo. Ich habe ihn an dem violett grün karierten Kaschmirpullover erkannt, den ich ihm zu seinem letzten Geburtstag geschenkt habe. Blöd nur, dass Karo genau in der Zeit von Malikas Tour angeblich in Rom war. 

Karo hat natürlich alles abgestritten. „Viele Leute tragen so einen Pullover“, behauptete er. „Nein“, antwortete ich, „die meisten tragen Jack Wolfskin. Auch die brünette Frau neben dir. Wer ist das überhaupt?“ „Eine brünette Frau?“ Er sah mich irritiert an. „Wie ein Mann sieht sie jedenfalls nicht aus“, merkte ich an. „Seit wann stehst du übrigens auf Frauen, die Jack Wolfskin tragen?“ Das war das letzte Mal, dass wir gesprochen hatten..

Ist er nun beleidigt, weil ich den Geschmack seiner Freundin grenzwertig finde?

Ist sie vielleicht doch ein Mann?

Hat er sich heimlich klonen lassen und war in Wahrheit doch in Rom?

Oder ist alles ganz anders?

Wie immer. Er hätte mir jedenfalls eine Ansichtskarte schreiben können!

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