Brillendisput

Jetzt habe ich schon dreimal hintereinander die falsche Telefonnummer gewählt. Doch nicht, weil ich vor lauter Hektik immer wieder auf die Wahlwiederholung gedrückt habe, sondern weil die Ziffern zu klein gedruckt sind. 

„Mama, du brauchst eine Brille“, sagt Karfiol entnervt, denn es war er, den ich angerufen hatte. „Ich hab schon eine“, sage ich. „Wahrscheinlich nur für die Ferne“, antwortet er. „Ich bin nicht weitsichtig.“ Ein leises Aufstöhnen am anderen Ende. „Dann brauchst du eben eine Brille für die kurzen Distanzen.“ „Was zwei Brillen?“ Ich kann die eine doch schon nicht leiden. „Du kannst die jetzige ja verschenken.“ „Wer will schon eine Brille, die so schwer ist, dass sie Abdrücke am Nasenbein hinterlässt?“, sage ich. „Dann nimm halt Kontaktlinsen.“ „Du rätst mir zu Fremdkörpern in meinem Auge?“, fast hätte ich losgekreischt wie Laraina beim Anblick einer Maus. „Oder lass dich lasern.“ Damit meine Sehkapazität vollends den Bach runter geht. „Nein Danke“, sage ich. „Mach doch, was du willst“, Karfiol Geduld scheint am Ende, „nur ruf ich mich nicht ständig an.“ „Aber wenn ich’s doch nicht lesen kann.“ „Mama, wähl hinten die 6 statt der 5, dann erreichst du Papa. Der war es doch, den du anrufen wolltest oder?“ „Ja“, sage ich erleichtert „warum hast du das nicht gleich gesagt.“

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