Grauen

Das Grauen kommt in München in Form rotgekleideter FC Bayern Fans daher, laut brüllend wie missglückte Gorilla-Imitationen. In der U-Bahn, die zum Stadion fährt,  fangen sie an zu singen. „FC Bayyyeeern!“ Dann springen gefühlt alle gleichzeitig in die Luft. Der Wagon wackelt wie ein Dampfer auf dem Ozean. „FC Bayyyeeern!“ Es gibt nicht einmal mehr einen Stehplatz, trotzdem steigen an jeder Station noch welche zu. Einer setzt sich oben auf die Sitzlehne. Es stinkt nach verschüttetem Bier. In einer knappen Stunde geht das Spiel los. 

Vielleicht sollte ich lieber zu Fuß gehen. Oder mit einem dieser E-Roller fahren, die jetzt überall herum stehen. Um wohlmöglich festzustellen, dass ich das Gleichgewicht auf diesen Dingern nicht halten kann. Könnte ich in diesem Fall meine Registrierung wieder löschen? Oder bliebe ich der MVV für immer erhalten, als  unbegabte Testfahrerin, die nicht einmal zehn Minuten oben geblieben ist. Ob man sich auch unter falschem Namen registrieren kann?

Oder ich steige aufs Fahrrad um, so wie früher. Nur dass ich heute beim Fahren einen Helm trage. Wenn ich erwischt würde, wie ich bei Rot über die Ampel fahre, bekäme ich einen Punkt in Flensburg.
Früher bin ich oft bei Rot über die Ampel gefahren. Ohne Punkte. Früher war alles besser. Noch so ein Grauen. 

„Stell dich nicht so an“, hätte meine Mutter vermutlich jetzt gesagt. Sie ist während des Zweiten Weltkriegs erwachsen geworden, hat zwei ihrer Verlobten bei Bombenangriffen verloren, wurde einmal vergewaltigt und war zweimal verschüttet. Sie war eine coole Lady, die es gerne gesehen hätte, wenn ich ebenso cool geworden wäre wie sie. 

Das Grauen hat eben viele Gesichter. 

Taubenplage

Eigentlich sind Tauben ja süß. Wenn sie nur nicht so häßlich wären. Ich kann ihr graues Gefieder nicht ausstehen, das den Eindruck vermittelt, als würden sie sich nie waschen. Ständig blicken sie an dir vorbei mit diesen fiesen hinterhältigen kleinen Augen. Ihr Gurren ist zu laut, denn sie haben null Respekt. Überall findet man ihre Federn, auf Fußwegen, Fahrradwegen, auf Bänken, auf dem Gras in Park, auf den Tischen im Biergärten, ja sogar auf Park- oder Schrottplätzen. Tauben scheinen sich überall zuhause zu fühlen. Zumindest kacken sie überall hin. Neulich sogar auf meinen Kopf. Und es werden immer mehr. Tauben sind wie Menschen. Habe ich schon erwähnt, wie sehr ich Tauben hasse?